22.01.2015 Breiter Konsens unter Pflegedirektoren für eine Pflegekammer in Niedersachsen

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Stellungnahme zum Artikel „Breiter Protest gegen Pflegekammer“, erschienen  in der NOZ am Mittwoch, 14.01.2015

 

Private Pflegeanbieter, Kommunen, Verbände sowie die Gewerkschaft Verdi protestieren aus unterschiedlichen Eigeninteressen gegen die Einführung einer Pflegekammer in Niedersachsen. Pflegende werden dazu bezeichnender Weise nicht befragt. Eine Ursache dafür ist, dass Pflegende kaum organisiert sind – ein Grund, warum nach Meinung der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren von 11 Krankenhäusern aus Osnabrück und der Region mit etwa 4500 Pflegenden die Einführung der Pflegekammer dringend geboten ist.Sie begründen Ihren Appell wie folgt:

 

Die Zahl pflegebedürftiger Menschen wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten deutlich zunehmen. Die Zahl derer, die die professionelle Pflege übernehmen können, müsste ebenso deutlich steigen - das tut sie aber nicht. Der Pflegeberuf  muss daher attraktiver werden. Dazu muss er, wie es im Eckpunktepapier der Landesregierung heißt, eine Selbstverwaltung als Körperschaft des öffentlichen Rechts – analog zu andere Professionen in der Gesundheitsbranche erhalten.

 

Unbestritten kann und will eine Pflegekammer nicht alle Probleme lösen. Sie ist z.B. nicht zuständig für tarifliche Aufgaben, Rentenregelungen oder Pflegesatzverhandlungen. Eine  Pflegekammer wird die Pflicht haben, zum Wohle der Allgemeinheit die Bürgerinnen und Bürger vor gesundheitlichen Nachteilen und Schäden durch unsachgemäße Pflege zu schützen. Sie wird dazu, im Gegensatz zu Berufsverbänden, demokratisch legitimiert und staatlich kontrolliert die berufspolitische Vertretung aller Pflegenden übernehmen. Die Pflegekammer wird u.a. die Pflegequalität bestimmen, Berufspflichten beschreiben, gutachterliche Tätigkeiten übernehmen und Bildung in der Pflege fördern, regeln und überwachen.

 

Eine Pflegekammer ist kein Selbstzweck Pflegender, sondern liegt im Interesse aller. Soll der wachsende Pflegebedarf bewältigt und der Berufsstand der Pflegeberufe zur Sicherung des Pflegebedarfs gestärkt werden, ist eine Neuordnung notwendig. Das haben lt. Infratest dimap bereits im Jahr 2013 67% der Pflegenden in Niedersachsen so gesehen und sich für die Schaffung einer Pflegekammer ausgesprochen – wohlwissend, dass dazu ein finanzieller Beitrag erhoben werden muss. 

 

Unternehmer, Gewerkschaften und Verbände haben in der Vergangenheit eine zukunftssichernde Pflege nicht erkennbar vorangetrieben und dieses gehört auch nicht deren originärenAufgaben. Wie in anderen Berufsfeldern auch, sollte das der Berufsgruppe zukünftig selbst überlassen werden, denn dort liegen die Kompetenzen dazu.

 

In Rheinland Pfalz ist die Einrichtung einer Pflegekammer beschlossen worden. Andere Bundesländer werden folgen – auch Niedersachsen. Die Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren unterstützen deshalb ausdrücklich die Initiative der Landesregierung zur Errichtung einer Pflegekammer.

 

Im Namen von:

Schwester M. Manuela, Niels Stensen Kliniken, Franziskushospital Harderberg

Dieter Torbrügge, Niels Stensen Kliniken, Marienhospital Osnabrück

Mareile Greiser, Niels Stensen Kliniken, Christliches Klinikum Melle

Rainer Alefs, Niels Stensen Kliniken, Krankenhaus St. Raphael Ostercappeln

Hubert Riese, Niels Stensen Kliniken, Marienhospital Ankum

Marlies Herzog, Niels Stensen Kliniken Bramsche

Martin Pope, Klinikum Osnabrück

Martin Timm, Ameos Kliniken Osnabrück

Hildegard Wewers

Hans-Wilhelm Robben, Paracelsus Klinik Osnabrück

Toralf Kerndt, Kinderhospital Osnabrück

 

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